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Woche 2

Bevor sich jemand zu Wort meldet - die "Wochen"-Einteilung ist natürlich nicht ganz richtig. Es wurde so eingeteilt, dass es ungefähr immer gleich viele Reiseziele auf einer Seite sind. Meist sind daher 5 oder 6 Tage auf einer solchen Seite - wir sind ja auch "nur" 33 Tage unterwegs.

Coromandel Peninsula

Tag 8 (Mittwoch, 4. März)

Am Morgen ließen wir uns frühzeitig wecken, denn die 7stündige Fahrt zur Coromandel Peninsula– genauer nach Hahei – stand an. Der Frühstückstisch war diesmal nicht nur reichlich gedeckt sondern auch besetzt. Wir aßen leider drinnen, da es regnete. Somit war es uns nicht gegeben, ein zweites Mal das wunderschöne Ereignis zu erleben, auf dieser paradiesischen Veranda zu frühstücken, während die Sonne am Horizont aufgeht. Dafür hatten wir zwei englische Pärchen am Tisch, die typisch englisch aussahen. Überraschenderweise konnten wir uns am Tisch gut unterhalten und den Gesprächen folgen. Als nettes Schmankerl ist sicherlich zu erwähnen, dass auch diese beiden Paare mit Umfulana reisen und uns so schon von einigen Unterkünften berichten konnten, die auf unserer Reise noch vor uns liegen.
Als wir unser Frühstück beendeten kamen noch zwei deutsche Touristen an den Tisch – unschwer an dem lustig bunten Brustbeutel mit Smiley auf dem Bauch über dem Hemd zu erkennen. Er, Heiner, was die Kurzform von Heinrich ist, wie er betonte, und Karin seine nur deutschsprechende Ehefrau. Da waren sie wieder… die beiden Berliner aus San Francisco, die mit uns geflogen sind.
Wir verabschiedeten uns von Jenny und Peter und machten uns schweren Herzens auf die Weiterreise. Diese Atmosphäre und die Herzlichkeit, die wir hier trafen, wird sehr schwer zu toppen sein. Wir machten uns auf und hatten im Grunde auch Glück mit dem Wetter, denn es war zwar bewölkt aber nicht zu regnerisch, weiterhin angenehm warm und nicht zu sonnig – perfekt zum Autofahren.
So langsam gewöhnt man sich auch an die ständigen Kurven. Mittlerweile glaube ich fest, dass die Kiwis erst Auto fahren, seitdem es die Servolenkung gibt. Vorher kamen die mit den Autos nicht über die Straßen außer sie wären alle Schwarzeneggers gewesen…
Ich fuhr und fühlte mich auch immer sicherer, so dass ich mittlerweile auch immer auf die „Passing Lane“ wartete, eine zweite Spur, um endlich überholen zu können, was in den hügeligen und vor allem serpentinenartigen Kurven nicht möglich ist. Touristen schleichen und LKWs kommen nur sehr langsam die steilen Steigungen hoch. Pfiffig sind die Angaben der empfohlenen Geschwindigkeiten in den Kurven, denn die Höchstgrenze ist immer 100, es sei denn, es gibt ein entsprechendes Verkehrszeichen (das gilt auch in der Stadt!) mit dem jeweiligen Tempolimit. Da die Geschwindigkeitsangaben in den Kurven nur Empfehlungen sind, hält man sich zu Beginn relativ genau daran, doch die Kiwis nehmen die auch nicht zu ernst. Sollten an engen Kurven keine Empfehlungen mehr stehen, weiß man aber, dass man Mitten in einer Abfolge etlicher Kurven ist. Entweder dachten die Ersteller, dass man nun weiß, wie man zu fahren hat bzw. schon im Graben liegt, oder sie waren einfach faul.
Anke hatte im Straßenverkehr zu Beginn sehr viel Freude, da sie Subuaru Legacys (ihr Auto) in allen denkbaren Farben sah. Doch dieses ist mittlerweile ein wenig verblasst, was aber auch kein Wunder ist, wenn jeder fünfte Wagen ein Subaru ist. Ich glaube, dieser Konzern lebt vom Export nach Neuseeland. In Deutschland sieht man einen im Monat und hier einen alle 10 Minuten.
Wir kamen sehr gut durch, jedoch war die Landschaft an der Route 1 nicht so ansprechend wie auf dem Hinweg. Dies war die Hauptverkehrsader Neuseelands Norden, was man merkte. Da wir nun an einem Mittwoch fuhren, waren auch LKWs unterwegs, die uns bisher nicht störten. Dennoch kamen wir gut voran – 60 km in einer Stunde. Hinter Auckland wollte ich eigentlich mal eine Pause an einem Cafe machen, doch wir kamen an Hütten vorbei, die ich weder betreten noch an denen ich tot über dem Zaun hängen möchte. Da die Hütten aber nicht besser wurden, entschlossen wir uns, doch noch eine Pause einzulegen. Das war leichter gesagt als getan. Es gab Hinweisschilder, die eine Entfernungsangabe hatten, die nicht nachvollziehbar ist. Meistens sagt das Hinweisschild, dass das Cafe in 400 oder auch 800 Metern ist. Wenn man dann daran vorbeigefahren ist, war ein Cafe schon nach 100 bis 200 Metern. Man erschreckt sich und fährt vorbei und das liegt nicht daran, dass ich rase! Ich rase nämlich nicht. Außer manchmal auf einer Passing Lane, um einen Schleicher zu überholen. Das passiert völlig unabsichtlich. Man fährt 80, drückt auf das Gaspedal, der Wagen heult jubelnd auf, drückt einen in die Sitze und schwupps ist man bei 120 Sachen… Da hilft nur noch bremsen. Aber ich schweife ab. Irgendwann stellt man sich auch auf ungenaue Meterangaben an und hält frühzeitig Ausschau. Das kann dann dauern, denn die beschriebenen Orte können auch erst nach einem Kilometer auftauchen, wenn man glaubt, es irgendwie verpasst zu haben.
Wir konnten schließlich im Mooloo Cafe rasten. Ein Ort wie aus einem schlechten Film, der im Mittleren Westen der USA spielt. Es kam sogar irgendein Kuhtreiber rein, der sich was zu trinken und ein Eis holte und es anschreiben ließ. Alles war irgendwie heruntergekommen und gammlig – auch die Kellnerin mit ihrer in Erinnerung noch immer weißen Schürze. Dennoch war sie freundlich und die wichtigen Dinge waren sehr sauber: Geschirr, Besteck, Sitze, Toilette (mehr oder weniger) und man konnte sogar einen guten selbstgemachten Cappucchino genießen.
Nach 6 Stunden und 30 Minuten (inkl. 30 minütiger Pause) erreichten wir Hahei und unsere Unterkunft für die nächsten zwei Nächte, das Hahei Horizon. Unser hiesiger Host Kay (die Frau) legte uns Nahe, noch am Abend zum Hot Water Beach zu fahren, da man diesen nur bei Ebbe, welche derzeit nur am frühen Morgen oder Abend ist. Somit fuhren wir um halb sieben dort hin, bewaffnet mit einem Spaten.
Unter dem Hot Water Beach ist eine Magmablase, die das Gewässer erhitzt, so dass man an diesem kleinen Strandstück ein Loch buddeln kann, dass sich mit warmen Wasser aus dem Erdboden füllt. Auf einer Fläche von ca. 10 x 5 Metern ist dies möglich. Daneben blubbert nur normal temperiertes Wasser in die Höhe. Sollte man direkt über der genannten Blase stehen, bleibt man dort nicht lange. Der Boden ist so heiß, dass man eine dicke Hornhaut unter den Füßen braucht, um dort stehen zu bleiben. Man verbrennt sich nicht, doch es ist sehr unangenehm.
Wenn man dort so verweilt, bleibt es nicht aus, dass man sich mit anderen Menschen ein Loch teilt und mit ihnen zusammen badet. Ich weiß nicht wie voll es in Deutschland ist, aber mittlerweile bin ich mir sicher, ich könnte zum Mond fliegen und um irgendeine Ecke würde ein Deutscher kommen. Egal wie weit weg man ist, man trifft uns Deutsche immer. Es ist noch kein Tag vergangen an dem das nicht so war. So auch hier. Zwei Frauen, die schon zum 3. Mal hier waren und eine dreiköpfige Familie. Und alle schwärmten von Coromandel, was wir erst am nächsten Tag genauer überprüfen wollten.
Wir kehrten in unsere Unterkunft zurück, die einen prächtigen Ausblick vom Bett aus auf das Meer bietet. Diesmal waren wir Gäste im Haus der Gastgeber und hatten dort ein Zimmer mit einem Badezimmer, was völlig ausreichend ist.
Und so verabschieden wir uns wieder und gehen schlafen. Gute Nacht oder Guten Morgen, Guten Tag und Guten was-auch-immer, wenn man das liest.

Tag 9 (Donnerstag, 5. März)
Es gab zum Frühstück Rührei auf Toast, Obstsalat mit Joghurt und Müsli sowie Toast mit Marmelade und natürlich den teuren neuseeländischen Honig. Wir aßen zusammen mit den beiden anderen Gästen, einem Schweizer Ehepaar (auch Rentner), die natürlich abermals länger in Neuseeland verweilen als wir. Sobald unsere Hosts am Tisch waren, wurde Englisch gesprochen, ansonsten sprachen wir Deutsch. Blöderweise mussten wie feststellen, dass die Schweizer in Englisch verständlicher waren. Auch die Beiden reisen mit Umfulana und haben schon diverse Reise durch verschiedenste afrikanische Länder hinter sich. Nachdem wir uns gestärkt hatten, fuhren wir mit dem Auto zum Parkplatz für die Cathedral Cove. Hierbei handelt es sich um eine Gesteinsformation á la „Hole in the Rock“ nur am Strand, wenn Ebbe ist. Uns wurde gesagt, dass dies auch ein Drehort für den Film „Prinz Kaspian von Narnia“ war. Dort wurde eine der ersten Narnia-Szenen gedreht. Wer den Film gesehen hat, weiß dann also vielleicht, wie Cathedral Cove aussieht – wir kennen den Film nicht und können deshalb nichts dazu sagen…
Wir, also ich, parkten den Wagen und anschließend machten wir uns auf den 30minütigen Fußmarsch über die Küstenlandschaft. Diverse Höhenunterschiede und Kilometer später erreichten wir den schönen Sandstrand fernab der Straßen. Dennoch wimmelte es hier (vergleichsweise) von Touristen. Da wir Ebbe hatten, konnten wir auch durch das Loch durchlaufen, doch es war nicht so imposant wie das „Hole in the Rock“.
Kurz bevor wir aber gingen, war der Strand fast leer. Das machte die Gegend gleich umso ansehnlicher. Auf unserem Weg zurück kamen uns etliche Leute entgegen, die man alle nach Väter Sitte zu grüßen hat. So murmelte jeder für sich ein „Morning“, „Hello“ oder “G’Day“.
Für den Nachmittag und Abend war ein tropischer Sturm mit starken Regenfällen angesagt, so dass meine Lust, etwas Weiteres zu unternehmen sehr gering war. (Anmerkung von Anke: Hier zeigte sich, dass mein Mann scheinbar eine sehr ängstliche Natur hat, da unsere Gastgeber durchaus der Meinung waren, dass man ohne Bedenken noch etwas unternehmen könnte… aber ich habe mich dann doch noch etwas durchgesetzt.)Um einer maulenden Myrte aus dem Weg zu gehen, haben wir uns auf den Weg nach Coromandel Town gemacht, was an der anderen Küste liegt (dort sollte der Sturm beginnen). Und weil alles so schön ist, führen dort zwei Wege hin. Der eine Weg ist gut ausgebaut, länger und schlängelt sich an der Küste entlang. Der andere Weg besteht nur aus Schotter und schlängelt sich durch enge Trampelpfade durch das Landesinnere, welches ebenfalls gebirgig ist, auf direktem Weg zum Ziel. Diese Route 309 wird von allen Reiseführern empfohlen und uns von unseren Hosts ans Herz gelegt.
Wir fuhren diesen Wanderpfad entlang und man kam sich vor wie Indiana Jones, der mit einem Jeep durch unwegsames Gebiet fährt. Paris-Dakar ich bin nun bereit… Wir schafften den Weg, jedoch fanden wir die Wasserfälle, die wir uns dort ansehen wollten, nicht. Wir erreichten Coromandel Town heil und sicher. Da jedoch langsam der Wind stärker wurde und es leicht zu regnen begann, entschlossen wir uns dazu, die Schmalspurbimmelbahn-Tour durch den Urwald, welche im Norden Coromandels startet, nicht zu machen. Stattdessen sind wir in ein Restaurant gestratzt und mussten wieder feststellen, dass man an der Bar bestellt, bezahlt und dann mit einer Nummer zu einem Tisch abzieht, um auf seine Bestellung zu warten. Erst in der gehobenen Klasse scheint man auch eine Bedienung zu haben. Putzig sind die Restaurants, die immer mit tollem Service prahlen, in denen man aber immer noch selber zur Bar gehen muss…
Nach einem Happen Essen fuhren wir die längere Route zurück, welche zwar asphaltiert aber nicht wirklich leichter zu fahren war, weil auch diese sich um die Berge windete. Man merkte schon, wie der Wind anschwoll. Eigentlich wollten wir noch ein James Cook Memorial an einem schönen Aussichtspunkt in Cooks Beach betrachten, jedoch schwoll der Regen an und Nebel stieg auf, so dass die Sicht sehr eingeschränkt war.
Wir hatten auf der Coromandel Halbinsel nur einen grau bewölkten Himmel, dennoch blieb die Temperatur zwischen 19 und 23 Grad. Wir wissen nicht, ob uns bei Sonnenschein die Coromandeln gefallen hätten, doch die Landschaft gefiel uns nicht sonderlich. Hier konnte man nicht wirklich viel machen außer am Strand liegen oder den Dingen, die wir erledigt haben, was alles nur bei schönem Wetter möglich ist. Bei schlechtem Wetter war hier nichts los… Vielleicht lag es am Wetter, doch wir konnten die Leute nicht verstehen, die von den Coromandeln so sehr schwärmen.
Nachdem wir zurückgekehrt waren, stürmte es zwar stark und die ganze Nacht über, jedoch glaube ich nicht, dass es wirklich ein tropischer Sturm war. Und so schliefen wir sicher ein.

Rotorua

Tag 10 (Freitag, 6. März)

Ich erwachte. Ich erwachte nicht wegen des Weckers. Ich erwachte wegen eines Juckens an meinen Beinen und Armen. Auch die Mosquitos haben mich nun erwischt – verdammt und somit konnte man das Piepsen (siehe Tag 7 in der Bay of Islands) in unserer Gegenwart noch häufiger hören. (Anmerkung von Anke: Ich wurde diesmal zwar nicht ganz verschont, aber ich hatte es doch etwas besser als Thomas… dafür hatte ich aber noch die Kriegswunden aus der Bay of Islands…)
Wir bekamen zum Frühstück (neben dem üblichen Obst, Joghurt und Müsli) in Ei geschwenkten und danach gebratenen Toast mit gebratenen Bananen und Bacon. Das ganze wurde mit Sirup serviert. Was sich eklig anhört ging sogar und hat abwechslungsreich geschmeckt.
Wir brachen auf und fuhren nach Matamata, denn dort sind die letzten und einzigen „Herr der Ringe“- Sets erhalten geblieben: Hobbingen (Hobbit-Höhlen). Um 12:05 Uhr erreichten wir Matamata, als der Bus, der einen zu den Sets fährt, aufbrach. Statt um 12:00 Uhr nahmen wir die Führung um 13:15 Uhr (wie geplant). Die Sets waren auf dem Privatbesitz der hiesigen Farmer-Brüder Alexander. Noch heute werden dort Schafe gehalten, so dass die Wiesen voller Schafsch***e waren.
Man konnte aber einen guten Eindruck gewinnen, sah putzige angelegte Eingänge und konnte den großen wunderbaren Baum betrachten, an dem die Feier zu Bilbos Geburtstag gedreht wurde. Es war wirklich schön und man konnte verstehen, warum hier das Auenland mit Hobbingen angelegt wurde. Nach einigen Fotos waren 2 Stunden schon wie im Flug vorbei. Wir wurden noch zur Schaffarm gebracht, wo ein Farmer ein Schaf schor und man Lämmer mit Milch füttern durfte. Es war ein sehr schönes Erlebnis.
Unsere Route ging weiter zu unserer Unterkunft in Rotorua, der Ariki Lodge bei einem älteren Ehepaar, Robert und Wendy, die so liebevoll waren, dass man der Meinung sein konnte, dass sie sich wie Oma und Opa fühlten. Besonders knuffig war dazu, dass Wendy sehr stark gelispelt hat. Wir hatten beide noch niemanden Englisch lispeln gehört. Es war ein äußerst schönes „Anwesen“ mit dem Blick auf den Lake Rotorua mit den vielen schwarzen Schwänen darauf. Leider regnete es wieder, doch es war erneut angenehm warm.
Unser ereignisreicher Tag sollte noch nicht zu Ende sein, denn eine Maori-Veranstaltung mit Essen und Kulturprogramm stand noch an. Wir wurden von dem Maori-Fahrer Larry an unserer Unterkunft abgeholt und zum Mitai Village gebracht. Dort wurden wir einem Tisch zugewiesen, doch mit dem Essen mussten wir noch warten. Dieses wurde im Erdofen gegart (Hangi = Essen aus dem Erdofen). Zuerst brauchten die 22 anwesenden Nationen einen Chief, der diese an dem Abend vertrat. Der dicke Randy aus Kanada meldete sich freiwillig. Es wurde ein Lied geübt, das Essen im Boden betrachtet und dann wurden wir zu einem Bach geführt. Dort kam ein Kanu mit einigen Maori-Kriegern angepaddelt. Danach gingen wir in eine Art Theater, dessen Bühne an Bad Segeberg erinnert, da dort auf einer Freilichtbühne ein Maori-Dorf aufgebaut war. Nach einer netten Show mit Gesang, einer Begrüßung, Danksagung für das Essen von Chief Randy und dem Haka (Kriegstanz der Maori – ganz bekannt durch die neuseeländische Nationalmannschaft im Rugby – die All Blacks) kehrten wir in den Essensraum zurück.
Dort bedienten wir uns am Büffet und trafen die 3köpfige Familie vom Hot Water Beach wieder. Ein paar Worte und ein voller Teller später saßen wir wieder am Tisch. Es gab Salate, Kartoffeln, Süßkartoffeln, Hühnchen und Lamm. Die Salate waren gut und selbst das Lamm konnte man essen, denn es hat seinen ekelhaften Geschmack abgegeben und schmeckte stattdessen rauchig und würzig. Dafür waren die Kartoffeln widerlich, da diese (scheinbar nur meiner Meinung nach) den Lamm-Geschmack angenommen haben.
Nachdem wir gesättigt und zufrieden in die Stühle zurücksackten fiel uns Häuptling Schlagerbacke auf. Im Raum stand ein alter Maori-Hansel mit grauen, langen Haaren und trällerte leise im Indianeroutfit englische Schlager. Scheinbar handelte es sich um einen Onkel des Maori-Stammes, der unbedingt Schlagerstar werden wollte und dem die junge Generation diese Gefälligkeit erweisen muss… Als diesem irgendwann endlich das Mikrofon weggenommen wurde, war der Abend dort eigentlich zu Ende. Doch noch nicht für uns, denn wir bekamen noch eine Führung durch Rainbow Springs bei Nacht. Es ist eine Art Zoo mit einer Kiwirettungsstation. Aus ganz Neuseeland werden Kiwi-Eier eingesammelt (um sie vor Possums, Wieseln und anderen Schädlingen zu schützen) und dorthin gebracht, damit die Kiwis hier ausgebrütet, groß gezogen und danach an ihren eigentlichen Herkunftsorten ausgewildert werden können. In der Natur ist das Ei ungeschützt und wird von den Possums gefressen, welche eine Plage in Neuseeland sind, da die natürlichen Feinde fehlen. Sie schaden nicht nur sämtlichen Vogelbeständen sondern haben auch bereits einen großen Teil der heimischen Wälder zerstört. Der größte und einzige Feind des Possums ist der Reifen des Autos. So wurden wir von nahezu jedem Neuseeländer mindestens einmal ermuntert, auf jedes Possum, dass uns über den Weg läuft, ohne Rücksicht auf Verluste draufzuhalten. Nur ein totes Possum ist ein gutes Possum.
Aber zurück zum Thema… Kiwis sind nachtaktiv, weshalb wir diese nun in ihren Gehegen beobachten durften. Wir haben Kiwis gesehen. Lustige kleine Viecher… Anke hat die kleinen Scheißer so lieb gewonnen, dass wir für einen kleinen Obulus eine Patenschaft für den Kiwi Kora erworben haben, der derzeit in der Kiwi-Rettungsstation aufgezogen wird. Wir bekommen jetzt immer einen Newsletter mit den Neuigkeiten über unseren kleinen Kiwi.
Als wir um 22:30 Uhr endlich zurück in unser Zimmer kamen, begrüßte uns auch schon unser Gastgeber Robert an der Tür, als hätte er wie ein besorgter Großvater auf uns gewartet. Nach einem kurzen Schwätzchen konnten wir zufrieden aufgrund eines weiteren tollen Tages in Neuseeland entschlummern.

Tongariro National Park

Tag 11 (Samstag, 7. März)
Leider endete heute bereits unser Tag in Rotorua, was uns traurig bewusst wurde, denn hier wären wir gerne noch ein Weilchen länger geblieben. Zum Frühstück gab es liebevoll zubereitete Corn Fritters. Wer nicht weiß, was das ist, der sei unbesorgt, denn die meisten Deutschen kennen das nicht. Wir auch nicht bis dato. Corn Fritters sind kleine Maispfannkuchen, die schon allein die Süße des Mais haben und mit Ahornsirup wahrhaft köstlich sind. Dazu gab es endlich mal krossen Bacon, wie wir ihn von zu Hause gewohnt sind.
Recht früh mussten wir dieses schöne Fleckchen Erde verlassen, denn wir wollten um 10:15 Uhr am Lady Knox Geysir sein, der dann immer seine mit Seife eingeleitete Eruption hat. Wir mussten aber noch Tickets kaufen und 45 Minuten fahren. Als wir bereits um 09:00 Uhr das Haus verließen, war noch Zeit in Rotorua die Tudor Towers (ehemaliges Badehaus im Fachwerkstil, welches heute ein Museum ist) zu fotografieren. Erstaunlich waren die thermischen Aktivitäten innerhalb der Stadt. An allen möglichen und unmöglichen Ecken in der Stadt stieg Rauch auf und unangenehme Schwefelgase (glauben wir) machten sich eindeutig riechbar breit (und ich war es nicht!). Wie gut, dass wir leicht außerhalb der Stadt gewohnt haben und hiervon erst jetzt etwas mitbekommen haben.
Nachdem uns der kleine Schlenker nur 10 Minuten Zeit gekostet hat, konnten wir unser Ziel ansteuern. Ohne Probleme erreichten wir das Wai-O-Tapu Thermal Wonderland, in dem der Geysir Lady Knox steht. Kaum hatten wir uns einen günstigen Platz im Halbrund um den Geysir herum erkämpft, fing pünktlich um 10:15 Uhr die Show und der Regen an. Kaum hat der „Moderator“ seine Seife in die Öffnung des Geysirs geworfen, begann dieser zu schäumen und die Wolken gaben gleichzeitig ihr Bestes – es schüttete in Strömen. Nach wenigen Minuten sprudelte das Wasser in die Höhe und aus der Höhe, so dass wir nach einigen Fotos die Flucht ergriffen. Jedoch sobald wir wieder im Trockenen saßen, war der Schauer wieder vorbei…
Den gesamten Park konnten wir uns schließlich im Trockenen angucken. Hierbei handelt es sich um einen kleinen 3 km langen Rundweg im Thermalgebiet der Vulkanumgebung zwischen Rotorua und Taupo. Man umwandert kollabierte Krater mit blubbernden Schlammtümpeln, Schwefelhöhlen, dampfenden Erdspalten und Seen verschiedenster Farben aufgrund der darin enthaltenen Chemikalien. Es war beeindruckend zu sehen, doch der Geruch stimulierte meinen Würgreflex, so dass ich die letzten Meter nur mit wahrer Körperbeherrschung über mich ergehen ließ. Der Park zeigte uns klar auf, welche Urgewalt unter der Erde in Rotorua tobt. Es ist kaum auszumalen, was passiert, wenn hier wirklich mal wieder ein Ausbruch erfolgt – im Zentrum der Stadt… Wir machten noch einen Zwischenstop an den Mud-Pools / Schlammtümpel. Diese brodelten vor sich hin wie ein zerkochter Eintopf.
Unsere Reise führte uns weiter in Richtung Lake Taupo zu den Huka Falls. Eine wilde Strömung zwischen spitzen Felsen endet in einem ansehnlichen Wasserfall mit azurblauem Wasser. Als wir uns dort das Naturschauspiel betrachteten, lief uns die dreiköpfige Familie wieder über den Weg. Ein kurzer Schwatz, doch eigentlich haben wir uns noch nicht vorgestellt, so dass ich noch immer nicht die Namen sagen kann. Das Gespräch endete wie die anderen zuvor, indem man sich einen schönen Resturlaub wünschte. Bis zum nächsten Mal…
Unsere Reise ging weiter durch das Zentrum der Stadt Taupo, wo gerade ein Riesenauflauf war. Es schien DAS Sportereignis der Stadt stattzufinden, da sich scheinbar jeder Einwohner an der Straße eingefunden hat. Es gab einen Triathlon, dessen Laufroute durch die Stadt führte. Die (meisten) Sportler hatten bereits vom Rad auf die Laufbahn gewechselt, so dass diese seitlich (!) an der Straße joggten/rannten. Kurios daran war, dass der Verkehr weiter über die Straße im gemächlichen Tempo floss. Man kam sich im Auto vor wie ein Rennfahrer bei der Tour de France. Zwar wurden Läufer angefeuert und bejubelt, doch manchmal brandete der Jubel auf, während man selber gerade auftauchte. Ich konnte mich kaum zurückhalten, das Fenster runterzufahren und meinen Fans zuzuwinken…
Als wir Taupo verlassen hatten, trafen wir auf das absolute Gegensätzliche. Die Straße, die wir nun befuhren, führte an der Grenze des Tongariro Nationalparks entlang und es war totenstill. Kein Auto hinter oder vor uns bzw. kam uns entgegen. Kilometerlang.
Irgendwann erreichten wir auch unsere neue Beherbergung, die Whare Ora Lodge in Ohakune (das gute Haus). Es sah von außen scheußlich aus zumal es eine umgebaute Scheune war, jedoch von innen war es wirklich sehr schön. Unsere Gatsgeber kümmerten sich sogleich um uns und meldeten uns für den nächsten Tag für die Wanderung, dem Tongariro Crossing, an. Ein Shuttle sollte uns abholen und nach dem Marsch zurück bringen.
Das Städtchen, in dem wir wohnten kuschelte sich idyllisch an den Mount Ruhapehu, natürlich einem Vulkan. Dort sind wir auch noch mit dem Auto am frühen Abend auf einer einsamen kurvenreichen (wie sollte es auch anders sein) Straße bis auf eine Höhe von 1.800 Meter hochgefahren. Die Aussicht von dort oben war grandios, doch es war selbstverständlich einige Grade kühler als im warmen Ort am Fuße des Berges, weshalb wir uns schnell wieder aufmachten, hinunter zu fahren. Ich hatte auch keine Lust, die Straße im Dunkeln runter zu kurven, da es bereits 19:00 Uhr war. Für einen kleinen Wasserfall machten wir nochmals Halt, ehe wir nach dem Essen zu Hause einkehrten und den Tag, schon reichlich nervös wegen des Tongariro Crossing (einer alpinen, mittelschweren Wanderung von 17 Kilometern) ausklingen ließen.

Am 8. März (Sonntag) erwachten wir eigentlich schon vor dem Wecker wegen absoluter Nervosität und beißender Mosquitos. Schlecht und wenig geschlafen … so sollten wir nun unserer ersten Wanderung entgegentreten. Wir aßen relativ wenig, es gab auch nur Müsli, Früchte und Toast, da wir mehr sowieso nicht runter bekommen hätten. Das Wetter sah vielversprechend aus. Der Himmel war klar und die Sonne lachte uns an. Es war zwar kalt, doch es war erst 07:15 Uhr, als uns der Shuttle zum Startpunkt des Tongariro Crossing abholte.
Wir wurden abgeholt, da der Start und das Ziel unserer Wanderung an unterschiedlichen Orten liegen. Man könnte auch selber fahren und nach der Wanderung mit einem Shuttle zum Startpunkt gefahren werden und dort in den eigenen Wagen wieder einsteigen. Wir entschieden uns aus einem einfachen Grund dagegen. Nach der Wanderung wollte keiner von uns beiden noch eine Stunde mit dem Auto zu unserer Unterkunft zurückfahren.
Nachdem der Bus voller Wandersleute im Alter von 27 bis 70 Jahren war, wurden wir um 08:35 Uhr abgesetzt. Wir erhielten Informationsmaterial, woraus der erste Schock hervorging. Statt der erwarteten 17 Kilometer sollte der Weg tatsächlich 19,4 km lang sein. Da tat er sich auf, der unheilvolle Pfad zwischen den Vulkanen hindurch. Die Gipfel der Berge wurden durch Wolken verschleiert, doch wir hatten weiterhin den Willen, es zu schaffen. Wir waren hervorragend ausgerüstet – ordentliche Wanderstiefel, Ziphosen, Outdoorjacken und im Rucksack Regenponchos mit zusätzlichen Beinlingen, Erste-Hilfe-Set (das für diese Wanderung dringend angeraten wurde) sowie Essen und 2 Liter Wasser für jeden. Nicht zu vergessen die Video und Foto-Ausrüstung… Eine ältere Damen lief im blauen Wollpulli und einer anderen Frau (möchte-gern-40-sein-ist-aber-65) fiel der halbnackte Arsch aus den ausgeleierten Hot Pants. Ein Erlebnis, auf das wir gerne verzichtet hätten, doch um es vorweg zu nehmen, der Anblick beehrte uns des Öfteren. Der letzte Gang zur Toilette, die obligatorischen Fotos wurden gemacht und die Schuhe nochmals geschnürt. Plötzlich war es 08:47 Uhr und Anke und ich betraten den Weg.
Nach einem Kilometer musste ich mir bereits das Futter aus der Jacke nehmen, da mir bereits warm wurde. Kaum hatte ich dies erledigt, schien uns bereits der gesamte Bus überholt zu haben. Egal. Unser Ziel war es, diesen Weg zu schaffen. Unangenehm wurde aber langsam, dass sich der Himmel zuzog. Die lachende Sonne war schon gänzlich hinter einer Wolkendecke verschwunden. Zumindest war der Kiesweg leicht begehbar.
Nach 2 Kilometern endete der Weg und man musste Pfosten folgen, die alle paar Meter in den Boden eingesteckt waren. Doch bereits jetzt begann das Kraxeln zwischen Steinen und Felsblöcke, die nicht einmal mehr einen Trampelpfad hatten (ist auch schwer in Fels einen Weg reinzutrampeln). Mir machte es aber irgendwie Spaß. Nun musste auch Anke sich des Futters entledigen, während ich mir das T-Shirt, welches ich unter meinem Longsleeve trug, auszog.
Nach 4 km begann der Nebel. Nicht nur die Sicht wurde eingeschränkt sondern es legte sich auch ein feuchter Film auf die Kleidung. Nach den Steinen wanderten wir auf einem aus Holz angelegten Weg, was das Gehen vereinfachte – aber nur kurz. Dann kamen die Treppen… Treppen mit Stufen in verschiedenster Höhe und Anzahl.
Nach 5 km war Anke völlig erschöpft und blieb vor jeder Treppen stehen. Ich hatte noch nicht diesen Erschöpfungsgrad und fühlte mich noch fit. Sobald ich jedoch stoppte, merkte ich auch meine Kräfte schwinden und bin lieber weiter gelaufen. Ich habe Anke angefeuert mitzukommen, was nur teilweise half, denn ihre Pausenzeiten wurden immer länger und kamen öfter. Doch nicht nur die Stufen malträtierten unseren Körper und Geist auch der Nebel wurde dichter, so dass man nur noch zwei Pfosten weit gucken konnte. Dazu kam nicht nur die Nebelfeuchte. Es setzte auch fieser Nieselregen ein, der sich in alle Ecken setzte. Um uns zu schützen, zogen wir unsere Regenponchos drüber. Da es noch nicht wirklich regnete, verzichteten wir vorerst auf die Regenüberzieher für die Hosen.
Nach 6 km war die Stimmung ganz unten. Ich maulte, weil Anke nur noch stehen blieb. Sie bekam immer weniger Luft und ihr Herz fing an zu rasen, so dass sie unbedingt ständig Pausen brauchte. Dieses brachte mich aus dem Tritt und saugte so meine Energien mehr aus als das Wetter oder die Treppen. Ich konnte Anke aber auch nicht zurück lassen. Ich behielt sie im Auge, entfernte mich aber stückweise, ehe ich auf sie wartete. Die Anstiege wechselten nun von steilen Wegen, Treppen und Kletterpartien zwischen feuchtem Gestein. (Anmerkung von Anke: Nur um es klar zu stellen: ja, er übertreibt nicht. Man könnte auch sagen, ich war eine Graupe bei den Anstiegen, während Thomas eher eine Bergziege ist, die den steilen Hang mit Leichtigkeit hinauf hüpfte. Mir blieb ständig die Luft weg und es wurde immer schlimmer. Herzrasen wäre eigentlich auch noch zu milde ausgedrückt. Jedenfalls war es für mich schlimm – meine persönliche Hölle. Aber was ich einmal angefangen habe, bringe ich auch zu Ende… in diesem Sinne ging es dann zwar langsam weiter, aber immerhin ging es weiter. Thomas hatte es wirklich nicht leicht…)
Nach 6,5 km setzte der Wind stärker ein. Anke jammerte nicht einmal mehr, weil ihr dafür scheinbar schon die Kraft fehlte. Also konnte ich sie nur noch vor die Wahl stellen: zurück oder weiter und wir schaffen es bis 17:00 Uhr, denn dann fuhr das letzte Shuttle. Nach anfänglich 15 Minuten pro Kilometer brauchten wir mittlerweile wegen der Pausen über 30 Minuten. Nach den vorgegebenen Zeiten hätten wir nach 2-2 ½ Stunden den South Crater erreichen müssen, doch wir taperten bereits 3 Stunden herum und nichts war zu sehen. Auch nicht hinter der Nebelwand, denn mittlerweile sah man nur noch den nächsten Pfosten. Anke riss sich zusammen und sagte, dass sie den Weg schaffen wird und zwar in der richtigen Zeit. Wir kämpften uns weiter.
Als wir glaubten den South Crater erreicht zu haben, machten wir eine Mittagspause von etwa 10 Minuten und gönnten uns ein Sandwich. Dann brachen wir schnellstens wieder auf, denn der Wind blies uns ordentlich um die Ohren. Es wurde bitterlich kalt, so dass wir weiter laufen mussten. Nach wenigen Metern stießen wir auf ein weiteres Hinweisschild auf den Krater…
Der Nebel war dicht, es wurde immer kälter, so dass sich Anke wieder wärmer angezogen hatte, der Regen schwoll an und durchnässte unsere Hosen, so dass es keinen Sinn mehr machte sich einen weiteren Regenschutz anzuziehen. Der Wind baute sich langsam aber sicher zu einem Sturm auf und presste die kalte, nasse Hose an die Beine. Wir mussten nun laufen, um nicht zu frieren.
Irgendwann kamen wir zu einer langen Ebene, die in einem Aufstieg auf losem Boden mit Gesteinen endete. Die Vegetation war mittlerweile bis auf spärliche anspruchslose Grasbüschel verschollen. Scheinbar haben wir den Krater passiert oder sind durchgelaufen und wir waren nun auf dem Weg zum höchsten Punkt. Zum Red Crater auf einer Höhe von 1.900 Metern. Nach dem bisherigen Anstieg wurde es nun erst richtig unangenehm, denn jetzt musste man wieder klettern und dass bei Sturm. Der Sturm kam von links und presst uns gegen die Wände. Man musste enorm aufpassen, dass man nicht umgeweht wurde und postwendend wieder den Hang hinunter kullerte. Wir hielten uns vom Abgrund rechts fern. Ich konzentrierte mich und merkte, wie meine Beine immer schwächer wurden. Der Berg sollte mich nicht in die Knie zwingen. Nein! Ich kämpfte mich zwischen die Felsen hoch und hatte nur noch das Plateau vor Augen. Da wollte ich hoch! Plötzlich rutschte mein Fuß weg, doch ich konnte mich am Felsen halten. Dabei ratschte ich mir nur ein wenig den Finger. Etwas Blut quoll aus der Wunde. Der Berg schien seinen Blutzoll zu fordern. Solange er nicht mehr haben wollte, sollte er die paar Tropfen bekommen. Ich raffte mich wieder auf und sprang und lief zwischen den Felsen bis ich oben auf war!
Ich blickte zurück und sah Anke nicht. Eine Gruppe, die hinter ihr war, kam mittlerweile. Naja, sie werden sie wohl überholt haben. Es kann ihr nicht passiert sein, das hätte die Gruppe sicher mitbekommen, doch Rufe oder selbst Schreie, konnte man bei dem Wind nicht mehr wahrnehmen. Als dann noch die Hot Pants Oma auftauchte, wurde ich ungeduldig. Wo war Anke? Sekunden wurden zu Stunden. Man sah nur das Weiß der Nebelwand. Wenn sie jetzt nicht auftaucht, gehe ich wieder runter! Doch dann nahm ich wieder schemenhaft eine Gestalt wahr. Eine große Gestalt mit einer Art Poncho an. Das musste meine Anke sein… sie schlich, pausierte und kam nach einer Weile auch oben an. Das Schlimmste war geschafft – wir hatten den höchsten Punkt der Wanderung erreicht.
Einen Krater, geschweige denn einen roten Krater konnten wir leider nicht entdecken. Eine Aussicht konnte man auch nicht genießen, wegen des Wetters. Nur weil ich dieses nicht in jedem Satz erwähne, bedeutet es nicht, dass es sich besserte. Je höher wir kamen, desto schlechter wurde es.
Der Abstieg begann in grobkörnigen Sand, was verdammt rutschig war, da es steil bergab ging. Ich lief wie ich mir Skiern runter gefahren wäre und es half. Ich kam heil unten an. Anke kam auch gesund unten an. Sie ist zwar zweimal ausgerutscht und ein wenig auf dem Hosenboden im Schotter heruntergerutscht, doch bis auf kleine Schrammen war alles in Ordnung. Nach ca. 20 Minuten kamen wir zu den Emerald Lakes, welche türkisfarben sind und quasi das Highlight dieser Wanderung darstellen. Haben wir gelesen… Sehen konnte man sie nicht wirklich, nur erahnen. Der Nebel lichtete sich allerdings, je tiefer wir wieder kamen. Auch der Sturm ließ nach, nur Feuchtigkeit blieb in Form eines penetranten Nieselregens.
Schlimmer als der Aufstieg, der in die Waden ging, kam mir der Abstieg vor, denn die Kräfte waren so gut wie aufgebraucht und durch die komische Haltung schmerzten die Knie unerträglich, wenn man bergab ging. Anke bestätigte dies, so dass sie schneller ging. Ich hechelte fast im Joggingtempo hinter ihr her und musste feststellen, dass sie – ich sag es ungern – Recht hatte. Als wir auf das Tempo drückten, verflog der Schmerz. (Anmerkung von Anke: nur um meine obige Anmerkung zu vervollständigen. Wenn ich auch beim Aufstieg eine Graupe und Thomas eine Bergziege ist – hier hat sich das Blatt gewendet. Runter war deutlich leichter und angenehmer für mich und nur die Schmerzen des Aufstiegs machten es weiterhin schlimm). Wir missachteten unsere aufgebrauchte Kondition und stürmten an den Leuten vorbei. Aber auch am Blue Lake (Blauer See), den man sowieso nicht sehen konnte.
Nach 15 km erreichten wir die Ketetahi Hütte und hatten endlich schönes Wetter. Wir gönnten uns nochmals eine 15minütige Pause und genossen die Aussicht, ehe die letzten 4 ½ Kilometer anstanden.
Der Abstieg ins Tal dauerte scheinbar endlos, der 1 ½ km lange Weg zog sich dahin, da auch die Schmerzen stetig anstiegen, obwohl wir mittlerweile richtig zügig gingen und nur noch Leute überholten statt überholt zu werden.
Im Tal war der Weg aber noch nicht zu Ende. Vor uns war noch ein 3 km langer Weg durch einen Wald. Das hört sich eigentlich entspannend an, war es aber nicht. Weitere nur halb ausgebaute Treppen führten weiter hinunter. Der Weg bestand zum größten Teil aus knöcheltiefem Matsch, bei dem man aufpassen musste nicht auszurutschen. Unsere Hosen waren bis zu den Knien mit Matsch besprenkelt.
Nicht nur der Matsch nervte, denn je tiefer wir kamen, desto wärmer wurde es und man musste sich von Kleidung entledigen aufgrund des nun einsetzenden Schwitzens. Aller Strapazen zum Trotz haben wir es geschafft. Nach 19,4 km haben wir das Ziel erreicht. Wir brauchten für die 7-8 Stunden dauernde Wanderung (laut Reiseführern und Streckeninfos) 6 Stunden und 58 Minuten. Wir trafen um 15:45 Uhr auf dem Abholparkplatz ein.
Nachdem wir zur Unterkunft zurückgekehrt waren, haben sich unsere Gastgeber liebevoll um uns gekümmert. Sie haben unsere Hosen gewaschen  und uns Pizza zur Stärkung geholt. Während wir dort saßen kamen auch die Schweizer aus Hahei an. Ein längeres Gespräch konnte nicht mehr stattfinden, weil wir nur noch zwei Dinge wollten: In den Whirlpool und danach schlafen.

Wellington

Montag, der 9. März begann grausam. Diese Schmerzen machten mich wahnsinnig. Ich hatte Muskelkater erwartet, doch das, was mich plagte, hätte ich nie für möglich gehalten: Mosquitostiche oder Sandfly-Bisse. Was auch immer, es juckte höllisch. Meine Beine waren übersäht mit mal großen mal kleineren roten Flecken mit kleinen weißen Hubbeln. Während Anke in der Bay of Island gequält wurde, war nun ich dran. Mist…
Ich stand auf und dann traf mich der nächste Schlag. Ein kleines Zwicken im Bein. Da war er der Muskelkater! Dieser packte Anke aber heftiger, so dass die Arme diesen Tag nur noch wie auf rohen Eiern ging, um dies mal vorweg zu nehmen.
Heute stand nichts Schlimmeres an als die Fahrt nach Wellington. Doch das erwies sich als problematischer als erwartet. Man sitzt im Auto und muss Gas geben. Hört sich einfach an, wird aber bei Muskeln die sich verschließen, zur Qual. Ich brauchte auch Pausen, um mir die Beine zu vertreten. Bei einem netten Lookout (Aussichtspunkt), die hier immer wieder ausgeschrieben sind und sehr oft vorkommen, musste man ein wenig aufwärts laufen. Dies war mühsam, doch nichts war so schlimm wie Treppen steigen, runterlaufen oder einen Weg hinablaufen.
Die Fahrt war relativ ereignislos. Man kam durch etliche heruntergekommene Dörfer. Die Häuser sehen meistens so schäbig aus, als wenn man sie schon ein paarmal abgebaut, versetzt und irgendwo neu hingestellt hat – bloß, dass man immer einige Materialien übrig hat. Dies scheint aber auch zu stimmen, da wir mehrere Firmen passierten, die sich als House-Mover bezeichnen. Diese versetzen wirklich die Häuser – ist billiger als neu bauen.
Die Landschaft ist meistens richtig schön (manchmal normal ländlich), doch in den kleinen Ortschaften möchte man wirklich nicht tot über dem Zaun hängen – heruntergekommen und hässlich.
Als wir in Wellington, der Hauptstadt Neuseelands, ausstiegen, lachte uns die Sonne an. Es war wärmer als in Ohakune, was an der Höhe liegen mochte. Die Pullis und Jacken mussten weichen. Wir fuhren mit dem Cable Car von Wellington, machten entsprechende Fotos und nun mussten wir shoppen. Das war wichtig, weil wir am nächsten Tag die Überfahrt zur Südinsel mit der Fähre hatten. Wir mussten unser Auto dann abgeben, so dass wir nicht mehr den Kofferraum nutzen konnten. Wir hatten unsere Wanderstiefel darin aufbewahrt, doch eine Rückkehr in die Koffer schien nicht mehr möglich. Eine sinnvolle Möglichkeit war nur, dass wir uns eine neue Tasche kaufen. Bisher hatten wir als 4. Gepäckstück nur das Beauty-Case von Anke aufgegeben, doch wenn man dies in die Tasche packt, hat man sogar noch etwas mehr Stauraum…
Wir rannten in den nächsten All-Blacks-Laden (All Blacks = Rugby-Nationalmannschaft Neuseelands) und kauften uns dort eine (war sogar am günstigsten im Vergleich zu den anderen Läden) Sporttasche. Wenn man dann noch den derzeit famosen Umrechnungskurs beachtet, dann kamen wir ganz gut davon. Bisher war 1 EUR 2,35 $ jetzt bekommen wir für 1 EUR 2,50 $, obwohl man eigentlich immer sagen konnte, dass der Kiwi Dollar der DM entsprach!
Wir gingen über die Hafenpromenade zu unserem Wagen, um unser Unterkunft aufzusuchen, als wir eine Gruppe Maori sahen, die dort Lieder und Tänze aufführten. Soweit nichts Besonderes… Ihr Programm war ansprechend sah gut aus und hörte sich gut an, putzig war allerdings, dass die Person der Maori, die am meisten Einsatz zeigte und sichtlich Freude bei Gesang und Tanz hatte, ganz eindeutig weiß war. Dieser hagere Typ  viel auf, wie ein weißes Schaf in einer Herde schwarzer Schafe, denn ungefähr so konnte man das Bild auch beschreiben…
Wir fuhren anschließend zu unserer ekelhaft knatschgrünen Unterkunft, die auf einem Berg mit einem traumhaften Überblick über Wellington lag. (Anmerkung von Anke: um es klar zu stellen – das Haus des Crescent Point B&B ist weiß und sehr modern und eigentlich auch gar nicht so schlimm wie manch anderes modernes Haus, unser Zimmer war allerdings in frostgrün gestrichen. Ich fand es zwar nicht überwältigend schön, aber doch okay. Thomas hat das anders gesehen…) Da wir in der Nähe zum Mt. Victoria Lookout wohnten, wollten wir dort noch hinlaufen. Ein schwerer Fehler, da Aussichtspunkte grundsätzlich hoch oben liegen. Wir kraxelten die Straßen hoch und kürzten einmal über eine Treppe ab. Als sich unser Ziel scheinbar von uns entfernte, kam uns ein netter Eingeborener zu Hilfe. Dieser ältere Mann joggte eigentlich, doch er entschloss sich, uns zu helfen. Also nahm er uns in Schlepptau und ging leicht langsamer als Joggen mit uns den Berg hinauf. Unfähig zu sprechen hechelten wir hinterher. Als wir am Ziel waren, verabschiedeten wir uns und er lief zurück, um seine Runde weiter zu laufen… Uns interessierte jetzt eigentlich nur noch die Bank und nicht mehr der Aussichtspunkt! Wer ist schon so bekloppt und kämpft sich nach einer mittelschweren Alpinen Wanderung am Vortag mit dem verbliebenen Muskelkater einen wirklich steilen Berg zu einem Lookout hoch? Und das im Joggingtempo? Anscheinend wir… Dafür war der Ausblick wirklich sehr schön und wir hatten Glück mit dem Wetter…
Der Rückweg verlief nicht so wie gewünscht, denn wir verliefen uns… Wir trotteten die falsche Straße hinunter. Ja, hinunter, was nun bedeutete, wir mussten wieder hoch und das bei schmerzenden, völlig erschöpften Beinen.
Irgendwann hatten wir es aber geschafft und fielen ins Bett..